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ERP-Anbindung ohne Systemwechsel: So dockt KI an Ihr ERP an

KI-Automatisierung braucht keinen ERP-Wechsel. So funktioniert die Anbindung an GWS, Sage und Oxaion im Fachgrosshandel.

Conveso
6 Min. Lesezeit
20. März 2026
ERP-Anbindung ohne Systemwechsel: So dockt KI an Ihr ERP an

Warum das Thema ERP-Wechsel so viel Angst auslöst

Wenn im technischen Fachgrosshandel das Wort "KI-Automatisierung" fällt, kommt schnell die Gegenfrage: "Müssen wir dafür unser ERP ablösen?" Die kurze Antwort: Nein. Die längere Antwort lesen Sie in diesem Artikel.

Die Sorge ist nachvollziehbar. Ein ERP-System wie GWS, Sage oder Oxaion ist das Herzstück Ihres Tagesgeschäfts. Hier laufen Aufträge, Bestände, Kundenkonditionen, Lieferanteninformationen und Abrechnungen zusammen. Ein Wechsel bedeutet Monate der Planung, Schulungen, Datenmigration und das Risiko, dass im Übergang etwas schiefgeht. Kein Geschäftsführer im SHK- oder Elektrogrosshandel trifft diese Entscheidung leichtfertig.

Genau deshalb setzen wir bei Conveso konsequent auf einen anderen Ansatz: KI dockt an Ihr bestehendes ERP an, statt es zu ersetzen.

So funktioniert die Anbindung technisch

Klingt gut, aber wie funktioniert das konkret? Schauen wir uns die Architektur an.

Moderne KI-Systeme arbeiten über sogenannte Middleware-Schichten. Das ist eine Softwareschicht, die zwischen Ihrem ERP und der KI-Lösung sitzt. Sie übersetzt Daten in beide Richtungen, ohne das ERP selbst zu verändern.

Der Ablauf in der Praxis:

  1. Daten lesen: Die Middleware greift über Schnittstellen (APIs, Datenbank-Views oder Dateiexporte) auf ERP-Daten zu. Artikelstämme, Lagerbestände, offene Aufträge, Kundenhistorien.
  2. KI verarbeitet: Die KI-Lösung analysiert, klassifiziert oder automatisiert auf Basis dieser Daten. Zum Beispiel: eingehende Bestellungen erkennen, Artikelnummern zuordnen, Preise prüfen.
  3. Daten zurückschreiben: Ergebnisse fliessen über dieselbe Middleware zurück ins ERP. Aufträge werden angelegt, Bestände aktualisiert, Belege erzeugt.

Ihr ERP bleibt unangetastet. Es bekommt lediglich einen neuen, intelligenten Zulieferer, der Daten schneller und fehlerfreier aufbereitet als manuelle Eingabe.

Entscheidend ist: Ihr ERP-System wird dabei weder modifiziert noch in seiner Stabilität gefährdet. Die Middleware arbeitet ausserhalb des ERP-Kerns. Sollte die KI-Komponente einmal ausfallen, läuft Ihr ERP ganz normal weiter.

GWS, Sage, Oxaion: Was jedes System mitbringt

Nicht jedes ERP bietet dieselben Andockpunkte. Hier ein Überblick über die drei Systeme, die wir im technischen Fachgrosshandel am häufigsten antreffen.

GWS (Gedat)

GWS ist der Klassiker im SHK- und Elektrogrosshandel. Das System bringt eine solide Datenbankstruktur mit, die sich über SQL-Views und in neueren Versionen auch über REST-APIs ansprechen lässt. Besonders die Artikelstammdaten und Konditionssysteme sind gut strukturiert, was die KI-Anbindung erleichtert. Die Herausforderung liegt manchmal in älteren Installationen, bei denen individuelle Anpassungen die Standardschnittstellen überlagern.

Sage (100 und X3)

Sage bietet mit der Office Line und X3 unterschiedliche Integrationswege. Sage 100 lässt sich über ODBC und die Sage-eigene API anbinden. X3 ist moderner aufgestellt und bietet standardmässig REST-Schnittstellen. Für beide Varianten existieren praxiserprobte Konnektoren, die wir in Projekten bereits mehrfach eingesetzt haben.

Oxaion

Oxaion ist ein leistungsstarkes ERP, das besonders im gehobenen Mittelstand verbreitet ist. Die Anbindung erfolgt typischerweise über die integrierte Webservice-Schicht oder direkte Datenbankzugriffe. Oxaion-Installationen sind oft stark individualisiert, was eine sorgfältige Analyse der vorhandenen Schnittstellen erfordert.

0
ERP-Wechsel nötig
4-6
Wochen bis zur Integration
3
ERP-Systeme praxiserprobt angebunden
99,5 %
Verfügbarkeit im Betrieb

Welche Prozesse profitieren zuerst?

Nicht jeder Prozess eignet sich gleichermassen für eine KI-Anbindung. Aus unserer Erfahrung bei Conveso sind es vor allem repetitive, datenintensive Aufgaben, die den grössten Hebel bieten:

  • Auftragserfassung: Eingehende Bestellungen per E-Mail, Fax oder PDF automatisch erkennen, Positionen extrahieren und als Auftrag im ERP anlegen. Mehr dazu in unserem Praxisbeispiel zur automatisierten Auftragserfassung.
  • Preisanfragen und Angebotserstellung: KI gleicht Artikelnummern mit Konditionen ab und erstellt Angebote vor, die nur noch freigegeben werden müssen.
  • Bestandsabgleich und Nachbestellung: Automatische Analyse von Lagerbeständen, Abverkaufsdaten und Lieferzeiten. Das System schlägt Bestellungen vor oder löst sie direkt aus.
  • Rechnungsprüfung: Eingangsrechnungen automatisch mit Bestellungen und Wareneingängen abgleichen, Abweichungen markieren.
  • Kundenkommunikation: Statusanfragen zu Aufträgen oder Lieferungen automatisch beantworten, basierend auf Echtzeitdaten aus dem ERP.

Jeder dieser Prozesse bindet im Tagesgeschäft erhebliche Kapazitäten. Die Entlastung ist spürbar, oft schon in den ersten Wochen nach der Anbindung.

Was bei der Umsetzung wirklich zählt

Technik allein reicht nicht. Die beste Schnittstelle bringt wenig, wenn die Umsetzung nicht sauber geplant ist. Hier sind die Punkte, die in der Praxis den Unterschied machen:

Datenqualität prüfen: Bevor KI sinnvoll arbeiten kann, müssen Ihre Stammdaten stimmen. Doppelte Artikelnummern, veraltete Kundendaten oder inkonsistente Einheiten sind typische Engpässe. Die gute Nachricht: Das lässt sich im Vorfeld systematisch bereinigen.

Klein starten: Beginnen Sie mit einem klar abgegrenzten Prozess. Die Auftragserfassung eignet sich hervorragend als Pilotprojekt, weil der Nutzen schnell messbar ist und das Risiko überschaubar bleibt.

Mitarbeiter einbinden: Wer täglich mit dem ERP arbeitet, kennt die Feinheiten und Ausnahmen, die kein Lastenheft erfasst. Binden Sie Ihr Team früh ein. Das sorgt für bessere Ergebnisse und höhere Akzeptanz.

Rollback einplanen: Jede Anbindung sollte so gestaltet sein, dass sie sich jederzeit deaktivieren lässt. Ihr ERP muss auch ohne die KI-Schicht vollständig funktionsfähig bleiben.

Wir hatten ehrlich gesagt Angst, dass die KI-Anbindung unser GWS destabilisiert. Nach sechs Wochen war klar: Das ERP läuft stabiler als vorher, weil weniger manuelle Fehleingaben passieren.

Projektleiter, Elektrogrosshandel NRW

Häufige Bedenken, ehrlich beantwortet

Vielleicht erkennen Sie sich in einer dieser Fragen wieder:

"Unsere IT ist zu klein für so ein Projekt." Das verstehen wir. Deshalb übernehmen wir bei Conveso die komplette technische Implementierung, von der Schnittstellenanalyse bis zum laufenden Betrieb. Ihre IT muss nicht zum KI-Spezialisten werden.

"Unser ERP ist stark individualisiert." Kein Problem, eher die Regel. Im Grosshandel gleicht kaum eine Installation der anderen. Genau deshalb beginnt jedes unserer Projekte mit einer gründlichen Analyse Ihrer spezifischen ERP-Landschaft.

"Was, wenn der KI-Anbieter vom Markt verschwindet?" Berechtigte Frage. Durch die saubere Trennung von ERP und KI-Schicht sind Sie nicht abhängig von einem einzelnen Anbieter. Die Middleware lässt sich mit verschiedenen KI-Diensten verbinden.

Drei Fragen, die Sie Ihrem ERP-Anbieter stellen sollten

Bevor Sie ein KI-Projekt starten, klären Sie diese Punkte mit Ihrem ERP-Partner:

  1. Welche Standardschnittstellen (API, Webservices) bietet unser System aktuell?
  2. Gibt es dokumentierte Datenbank-Views für Lese- und Schreibzugriffe?
  3. Welche Einschränkungen gelten für Drittsysteme, die auf das ERP zugreifen?

Die Antworten zeigen Ihnen, wie aufwändig die Anbindung in Ihrem Fall wird. Und wenn Ihr ERP-Anbieter keine klaren Antworten hat, ist das ebenfalls eine wichtige Erkenntnis.

Der nächste Schritt

Sie müssen Ihr ERP nicht wechseln, um von KI-Automatisierung zu profitieren. Ob GWS, Sage oder Oxaion: Die Anbindung ist technisch lösbar und praxiserprobt. Der grösste Hebel liegt darin, die richtigen Prozesse zu identifizieren und die Umsetzung sauber zu planen.

Wenn Sie wissen möchten, welche Ihrer Prozesse sich für eine KI-Anbindung eignen und wie der Fahrplan konkret aussehen könnte, sprechen Sie mit uns. Kostenloses Erstgespräch vereinbaren, unverbindlich und mit Blick auf Ihre ERP-Landschaft.

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